Marcel Siem drückt am Freitag bei den BMW International Open mit einer fehlerlosen 66 (-6) gehörig aufs Tempo und räumt sich beim Heimspiel so auch Außenseiterchancen auf den Sieg ein. Nur knapp dahinter lauern im GC München Eichenried mit Matti Schmid und Marcel Schneider zwei weitere Deutsche. Insgesamt stemmen in Bayern gleich sieben heimische Spieler den Cut.
Deutschlands DP World Tour Professionals hielten sich zum Auftakt noch einigermaßen nobel zurück, denn von den 15 am Start stehenden Spielern, brachte sich gerade mal ein Drittel auf Kurs in Richtung Wochenende. Marcel Schneider und Martin Kaymer haben dabei nach 70er (-2) Runden und als 24. noch die besten Karten. Jannik De Bruyn, Marcel Siem und Freddy Schott weisen nach der 71 (-1) keinerlei Puffer auf die erwartete Cutmarke auf. Matti Schmid und Co müssen am Freitag bereits zulegen um beim Heimevent nicht schon vorzeitig auf der Strecke zu bleiben.
Anders als am Vortag, wo Marcel Siem ziemlich abwechslungsreich unterwegs war, heißt es auf Runde 2 lange Zeit „Geduld bewahren“. Erst nach acht anfänglichen Pars kommt erstmals Farbe aufs Tableau, dafür mit einem weiteren Eagle – schon zum Auftakt ließ er auf der 18 den Adler landen – gleich eine richtig knallige. Das bringt den Routinier auch richtig ins Rollen, denn nach kurzer Verschnaufpause auf der 1, zwitschern von der 2 weg drei kleine Vögelchen zusätzlich von der Scorecard. Ganz souverän spult er danach die Löcher ab und zieht schließlich nach weiterer starker Attacke am Par 5 der 9 noch ein Birdie auf die Habenseite. Derart stark geht sich am Freitag sogar eine 66 (-6) aus, die den 44-jährigen auch als 10. „in contention“ bringt.
„Ich hab ja am Mittwoch schon gesagt, dass ich hier als Sieger wieder vom Platz gehen will. Daran hat sich nichts geändert. Ganz so frei spiele ich zwar noch nicht auf, weil man den Druck beim Heimturnier schon spürt, aber ich hoffe, dass sich die letzten kleinen Verkrampfungen am Wochenende dann noch lösen. Mein Plan für die nächsten beiden Runden ist klar: Ich werde so ziemlich auf alles draufgehen was sich ergibt. Turniere gewinnt man nicht mit sicherem Spiel mit der Handbremse“, macht Marcel Siem nach der Runde klar wohin die Reise am Wochenende gehen soll.
In Lauerposition
Wie auch schon am Vortag brummt zwar erneut die 1 Marcel Schneider gleich ein Bogey auf, dieses weckt den 35-jährigen aber sichtlich richtiggehend auf, denn mit gleich vier darauffolgenden Birdies radiert er den Faux-pas nicht nur sofort wieder aus, sondern gibt sich auch selbst klar die Richtung vor. In Folge ebbt der Schwung dann aber wieder etwas ab, was sich nach verpasstem Sand Save am Par 3 der 8 auch im zweiten Fehler niederschlägt. Wieder steckt er das Bogey aber bestens weg, konsolidiert sein Spiel sofort wieder und schnappt sich schon am Par 5 der 11 das nächste Birdie. Da dann im Finish auch die 16 noch ein Erfolgserlebnis bereithält, geht sich am Ende sogar die 68 (-4) aus, womit er sich als 15. nur knapp hinter Marcel Siem einreiht.
Nach der etwas zähen 72 (Par) vom Vortag steht Matti Schmid bereits etwas unter Druck, zeigt aber mit einem relativ schnellen roten Doppelpack auf der 4 und der 5, dass er damit bestens umgehen kann. Danach allerdings verfliegt der Schwung wieder etwas, was sich auf der 7 auch in einem ersten Fehler unangenehm bemerkbar macht. Rund um den Turn stabilisiert er sein Spiel jedoch wieder und lässt mit einer präzisen Attacke am Par 5 der 11 aus rund zwei Metern sogar den Adler landen. Da dann am darauffolgenden Par 3, auf der 14 und der abschließenden 18 noch drei weitere Vögelchen von der Scorecard zwitschern, unterschreibt er sogar die knallrote 66 (-6) und teilt sich damit die Ausgangslage mit Marcel Schneider.
Zunächst agiert Amateur Tim Wiedemeyer noch etwas mit der angezogenen Handbremse, wenngleich sich am Par 5 der 11 ein schnelles erstes Birdie ausgeht. Allerdings benötigt er auch am Par 5 der 18 ein Erfolgserlebnis um im roten Bereich auf die Frontnine abbiegen zu können, da ihm, wie auch schon am Donnerstag, das Par 3 der 17 ein Bein stellt. Auf den vorderen Neun explodiert der Youngster dann aber regelrecht, denn nach Birdies auf der 1 und der 3, schnürt er von der 5 weg noch einen zusätzlichen roten Hattrick. Derart stark bringt er sogar die 66 (-6) ins Clubhaus und gesellt sich damit Schneider und Schmid in gute Verfolgerposition.
Insgesamt sieben Deutsche im Wochenende
Mit einem schnellen Par 5 Bogey beginnt der zweite Arbeitstag für Martin Kaymer alles andere als nach Plan, allerdings steckt der zweifache Major-Champion den frühen Rückschlag gut weg und drückt sein Score dank Birdies auf der 14 und dem Par 5 der 18 noch vor dem Turn in den roten Bereich. Nach einigen recht sicheren Pars, darf er sich schließlich auf der 5 nach gelochtem Zweimeterputt über das nächste Birdie freuen, dass er jedoch ausgerechnet am darauffolgenden Par 5 nach verzogenem Drive auch wieder verspielt. Nach abschließendem Erfolgserlebnis am Par 5 der 9 bringt er aber erneut die 70 (-2) in trockene Tücher und cuttet damit als 37. noch halbwegs in Schlagdistanz zu einem Topergebnis ins Wochenende.
Der zweite Arbeitstag beginnt für Yannik Paul nicht unbedingt richtig prickelnd, wie ein frühes Bogey auf der 3 beweist. Der Fehler scheint den 31-jährigen aber regelrecht wachzurütteln, denn sofort findet er auch das erste Birdie und legt mit weiterem Erfolgserlebnis auf der 7 und einem Eagle nach perfekter Attacke am Par 5 der 9 noch vor dem Turn weiter nach. Auch die hintere Platzhälfte lässt sich mit einem Par 5 Birdie auf der 11 gut an, ehe der Flow etwas zum Erliegen kommt, wie auch ein Fehler auf der 15 zeigt. Zum Abschluss geht sich dann aber mit Pitch & Putt auch auf der 18 noch ein Schlaggewinn aus, womit er sich die Mittelfeldplatzierung mit Martin Kaymer teilt.
Nahezu von Beginn an drückt Hurly Long am Freitag das Gaspedal bis zum Anschlag durch und zeigt, dass er die zähe 73 (+1) vom Vortag vergessen machen will. Gleich auf der 2 rollt aus vier Metern der Birdieputt ins ziel und nachdem er danach gleich noch drei weitere rote Einträge auf die Scorecard zaubert, biegt er sogar mit angenehmen Puffer auf die gezogene Linie auf die hinteren neun Löcher ab. Dort halten sich dann zwei weitere Erfolgserlebnisse mit zwei Bogeys die Waage, was am Ende in einer sehenswerten 68 (-4) mündet und ihn als 53. noch cutten lässt.
Freie Tage
Michael Hirmer
wirft noch einmal alles in die Waagschale, zieht nach einer 67 (-5) aber im Cut-Poker die schlechteren Karten. Zwar bessert Freddy Schott ein anfängliches Bogey prompt am Par 5 der 11 wieder aus, tritt sich danach jedoch bis zur 1 gleich noch vier weitere Fehler ein. Im Finish aber dreht der 24-jährige dann noch einmal voll auf, kämpft sich sogar noch zur 72 (Par), was bei gesamt 1 unter Par für den Cut am Ende aber nicht reicht.
Das Schicksal teilt er sich mit Max Kieffer, der auf die 73 (+1) vom Vortag am Freitag eine 70 (-2) draufpackt und mit Jannik De Bruyn, der am zweiten Spieltag die 72 (Par) notiert. Amateur Wolfgang Glawe kämpft sich mit der 69 (-3) zwar auf Level Par zurück, der Cut ist so aber wie auch bei Tiger Christensen nach dessen 70 (-2) außer Reichweite. Auch Austrian Alpine Open Champion Nicolai Von Dellingshausen kann sich mit der 72 (Par) nicht mehr über die Linie ziehen. Nicolas Horder bleibt nach der 72 (Par) ebenfalls bereits auf der Strecke.
Davis Bryant (USA) biegt bei gesamt 12 unter Par als Führender in den Moving Day ab.
Fotos: BMW


