Titelverteidigung als Nervenschlacht

Titelverteidiger Europa schwächelt am Sonntag in den Singles und macht die Entscheidung beim Ryder Cup noch einmal spannend. Erst Shane Lowry erlöst die Europäer in letzter Minute mit einem halben Punkt, womit der Pokal am Ende mit 15 : 13 Punkten in blauer Hand bleibt.

In der europäischen „Paradedisziplin“, dem Klassischen Vierer, zeigen die Europäer zum Auftakt am Freitag Vormittag, dass das Team sich mittlerweile richtiggehend blind versteht. Mit perfekter Aufstellung von Captain Luke Donald färben die Teams das Tableau rasch blau ein und sorgen schon nach dem Vormittag für eine 3 : 1 Führung. Am Nachmittag in den ersten Bestballs ist dann auch Sepp Straka mit neuem Partner Jon Rahm unterwegs und weiß dabei auch durchaus zu überzeugen, denn in der Tonart der Foursomes geht es nahtlos weiter.

Am Ende holen nicht nur Straka und Rahm mit 3 & 2 den Sieg, auch Fleetwood mit Rose lassen nichts anbrennen. Bei einem Unentschieden von McIlroy und Lowry gegen Sam Burns und Patrick Cantlay fahren nur Cameron Young und Justin Thomas gegen Ludvig Aberg und Rasmus Hojgaard einen vollen Punkt ein, womit Europa mit einer 5,5 : 2,5 Führung in den Samstag startet.

Gleiches Bild

Bei sichtbar und hörbar aufgeheizten Fans entwickelt sich der Samstag dann aus Sicht der USA ebenso verpatzt wie der Auftakt, denn erneut ist „Powerhouse Europe“ in den Vierern schlicht eine Nummer zu groß für Stars & Stripes. Mit exakt den gleichen Paarungen wie am Vortag fahren die Jungs vom alten Kontinent erneut drei von vier möglichen Punkten ein und ziehen den Vereinigten Staaten damit richtiggehend auf und davon.

Das Bild ändert sich auch am Nachmittag nicht, denn auch die zweiten Bestballs werden von den Europäern nahezu nach belieben dominiert. Erneut wandern drei der vier Matches auf die blaue Seite, wobei ausgerechnet Sepp Straka und Jon Rahm ihr Match auf den letzten beiden Löchern nach Führung noch mit 1 Auf abgeben. Zum ersten Mal überhaupt schaffte es in New York so ein Auswärtsteam alle vier Vierersessions für sich zu entscheiden und startet so mit einem Rekordvorsprung – noch nie in der lagen Historie des Ryder Cups konnte sich ein Team einen größeren Vorteil erspielen – von 11,5 : 4,5 in die finalen Singles.

USA schlägt zurück

Gleich zu Beginn des Spieltages schnalzt der Zwischenstand dann auf 12 : 5, da Viktor Hovland trotz aller möglichen medizinischen Kniffe aufgrund einer Nackenverletzung nicht antreten kann, weshalb sein Match gegen Harris English mit 0,5 Punkten für jedes Team gewertet wird. Somit fehlen Europa überhaupt nur noch zwei Punkte zum Triumph, da bei 14 : 14 Gleichstand der Titelverteidiger den Pokal hält. Mit breiter Brust finden Tommy Fleetwood, Matt Fitzpatrick und Co auch perfekt in den Tag und lassen die ersten Matches rasch blau aufleuchten.

Die US-Amerikaner verbeißen sich aber regelrecht in ihren Gegnern und lochen, anders als an den Tagen zuvor, plötzlich auch die wichtigen Putts zur richtigen Zeit. Cameron Young etwa zieht gegen Justin Rose mit Fortdauer sogar bereits auf 3 Auf davon, ehe sich der Engländer wieder herankämpft, schließlich am Schlussloch aber eine knappe 1 Down Niederlage einstecken muss.

Nur Minuten danach ergeht es Tommy Fleetwood ganz ähnlich. Auch er biegt bei All Square auf die 18 ab, muss sich schließlich aber noch geschlagen geben und da sich auch Bryson DeChambeau gegen Matt Fitzpatrick von 5 Down noch zu einem halben Punkt kämpft und Scottie Scheffler im Anschluss Rory McIlroy mit 1 Up niederringt, holen die USA von ihren Frontrunnern gleich 3,5 von möglichen 4 Punkten. Für Scheffler persönlich enorm wichtig, verlor die Nummer 1 der Welt doch zuvor alle vier Partien und drohte beim Ryder Cup vor Heimpublikum komplett leer auszugehen.

Nervenschlacht zum Sieg

Auch hinter den ersten Matches leuchtet es an vielen Stellen Signalrot vom Tableau, wie etwa auch bei Xander Schauffele, der Jon Rahm am Sonntag mit 4 & 3 keine Chance lässt. Ludvig Aberg durchbricht dann zwar den Run von Stars & Stripes mit mit einem vollen Punkt gegen Patrick Cantlay, nach einem 2 & 1 Sieg von J.J. Spaun gegen Sepp Straka spitzt sich die Lage aber immer weiter zu.

Erst Shane Lowry, der schon an den Tagen zuvor mit enormer Kampfkraft glänzte, spielt seine Qualitäten im Finish gegen Russell Henley gekonnt aus und schleppt das Match bei 1 Down noch auf die 18. Dort lässt der Amerikaner dann den Birdieputt auf Linie zu kurz, was der Ire eiskalt ausnützt und mit dem halben Punkt Europa endgültig auf 14 Punkte bringt, womit ihnen der Ryder Cup nicht mehr zu nehmen ist.

Damit ist vor allem bei den Fans die Luft endgültig draußen, die in Scharen von der Anlage strömen. Die Spieler selbst kämpfen jedoch noch weiter, was vor allem im Duell von Tyrrell Hatton gegen Collin Morikawa enorm wichtig ist, holt er mit dem Unentschieden doch noch einen halben Punkt, womit Europa den Cup offiziell bei 14,5 Punkten nicht nur verteidigt, sondern erneut gewinnt.

Endstand 15 : 13

Am Ende holt auch Robert MacIntyre gegen Sam Burns noch einen halben Punkt, womit das Endergebnis 15 : 13 für Europa lautet. Mit nur einem einzigen vollen Sieg in den 12 Singles, machten es McIlroy, Straka und Co am Sonntag jedoch deutlich spannender als sich das irgendjemand vorstellen konnte, wurde doch nach der hervorragenden Ausgangslage nach dem Samstag bereits in Superlativen gekramt und spekuliert, ob es am Sonntag nicht sogar noch einen Rekordsieg geben könnte. Dass es aber gerade in der Ferne alles andere als einfach ist, beweist schon allein ein Blick auf die Statistik, denn erst zum fünften Mal überhaupt gelang es 2025 einem Auswärtsteam den Cup zu gewinnen.

„Das waren die stressreichsten 12 Stunden meines Lebens, es bedeutet eine Menge für uns. Ich könnte nicht mehr stolz sein auf unsere Spieler, das geht in die Geschichte ein,“ kommentiert Luke Donald, der als erster Captain sowohl daheim als auch auswärts gewinnen konnte.

Die furiose Aufholjagd der USA sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, denn noch nie konnte sich ein Team auch nur ansatzweise von einem derartigen Rückstand noch in die Lage bringen den Cup womöglich sogar noch gewinnen zu können. Viel hätte am Ende nicht gefehlt um auch den Vereinigten Staaten ihr „Wunder“ zu ermöglichen, vorerst gilt dieses jedoch auch weiterhin noch für Europa, die 2012 beim „Wunder von Medinah“ ein sicher geglaubte Niederlage noch zu einem 14,5 : 13,5 Sieg drehen konnten.

ENDERGEBNIS

13

15


SINGLES LEADERBOARD


1 AUF

YOUNG (F) ROSE

1 AUF

THOMAS (F) FLEETWOOD
A/S DeCHAMBEAU (F) FITZPATRICK A/S

1 AUF

SCHEFFLER (F) McILROY
CANTLAY (F) ABERG

2&1

4 & 3

SCHAUFFELE (F) RAHM

2 & 1

SPAUN (F) STRAKA
A/S HENLEY (F) LOWRY A/S

1 AUF

GRIFFIN (F) HOJGAARD
A/S MORIKAWA (F) HATTON A/S
A/S BURNS (F) MacINTYRE A/S
0,5 Punkte ENGLISH (F) HOVLAND 0,5 Punkte

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